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Marburger Schloss
Hoch über den Dächern der Marburger Altstadt erhebt sich das Landgrafenschloss Marburg – ein Bauwerk, das seit fast einem Jahrtausend die Silhouette der Stadt prägt.
Was im 11. Jahrhundert als Burg entstand, entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einer repräsentativen Residenz der hessischen Landgrafen und ist heute ein lebendiges Museum, ein Ort der Kultur und ein beliebtes Ausflugsziel. Wer den steilen Weg hinauf zum Schloss nimmt, betritt ein Ensemble, das Geschichte atmet und zugleich einladend offen für die Gegenwart ist.
Die ältesten Mauerreste stammen aus dem späten 10. oder frühen 11. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert ließ Landgraf Heinrich I. die Anlage ausbauen, um seinen Anspruch auf das thüringische Erbe zu unterstreichen. Aus dieser Epoche stammen zwei der bedeutendsten Räume des Schlosses: die 1288 geweihte Schlosskapelle mit ihrer mittelalterlichen Ausmalung und der Fürstensaal, einer der größten profanen Innenräume der mitteleuropäischen Gotik. Beide Räume gehören bis heute zu den eindrucksvollsten Zeugnissen frühgotischer Architektur in Hessen.
1529 wurde das Schloss zum Schauplatz eines Ereignisses von europäischer Bedeutung: Beim Marburger Religionsgespräch diskutierten Martin Luther, Philipp Melanchthon, Ulrich Zwingli und weitere Reformatoren über zentrale Fragen ihrer Glaubenslehre. Im Westflügel erinnern gläserne Bodenplatten an die ältesten Baustrukturen, während eine Ausstellung die historischen Hintergründe dieses Treffens lebendig macht.
Unter Landgraf Philipp dem Großmütigen erlebte das Schloss im 16. Jahrhundert eine weitere Blütezeit. Neue Gebäude entstanden, darunter die Rentkammer im Stil der Renaissance. Später diente das Schloss als Festung, Gefängnis und Staatsarchiv, bevor es schließlich zum Museum wurde. Heute beherbergt es Teile des Universitätsmuseums für Kunst und Kulturgeschichte. Besucherinnen und Besucher können wechselnde Ausstellungen erkunden, darunter Präsentationen zur Stadtgeschichte, zur Baugeschichte des Schlosses oder zur Mineralogie. Besonders beliebt sind die Räume „Stadtgeschichten“ und „Burg und Schloss Marburg“, die mit historischen Modellen, Exponaten und animierten Kurzfilmen mehr als tausend Jahre Geschichte erlebbar machen.
Auch für Kinder hat das Schloss viel zu bieten: Mit Ludwig und Luisa, den beiden Schlossmaskottchen, entdecken junge Besucherinnen und Besucher spielerisch versteckte Winkel, spannende Geschichten und knifflige Rätsel. Ein Mal‑ und Rätselbuch ist an der Schlosskasse erhältlich.
Der Schlosspark lädt mit seinen Terrassen, dem Rosengarten, dem meteorologischen Turm und dem historischen Judizierhäuschen zum Verweilen ein. Einer der schönsten Aussichtspunkte Marburgs befindet sich direkt an der Schlossmauer – ein beliebter Fotospot mit Blick über die Altstadt und das Lahntal. Ein kleines Café im Park öffnet an ausgewählten Wochenenden und überrascht mit kleinen Veranstaltungen in der warmen Jahreszeit.
Ein besonderes architektonisches Highlight ist die Schlossparkbühne, die 1927 von Fritz Budde anlässlich des 400‑jährigen Jubiläums der Philipps‑Universität entworfen wurde. Die drei markanten „gotischen“ Bögen aus Stahl und Beton verbinden Natur und Bühnenkunst auf einzigartige Weise und bieten bis heute eine eindrucksvolle Kulisse für Theater, Konzerte und Open‑Air‑Kino.
Wer das Schloss besucht, sollte beachten, dass es in der historischen Oberstadt nur sehr wenige Parkplätze gibt. Die wenigen Stellflächen – etwa am Gisonenweg – sind stark begrenzt, oft Anwohnern vorbehalten und werktags kostenpflichtig. Der Weg zu Fuß oder mit dem Aufzug der Oberstadt ist daher meist die angenehmere Wahl.
Im Schloss selbst erwarten die Gäste zwei große Ausstellungsräume, die Schlosskapelle, der Fürstensaal sowie das sogenannte Lutherzimmer im Südflügel, das auch für Trauungen genutzt wird. Der angrenzende Seminarraum eignet sich für kleine Empfänge. Das Schloss befindet sich derzeit im Projekt „Landgrafenschloss der Zukunft“, das darauf abzielt, das historische Gebäude behutsam weiterzuentwickeln und seine Bedeutung als Kultur‑ und Erlebnisort zu stärken.
Geöffnet ist das Landgrafenschloss von April bis Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, in den Wintermonaten von 10 bis 16 Uhr. Wer die Stadt Marburg mit dem Rad erkundet, erreicht das Schloss bequem über den Lahnradweg – ein lohnender Abstecher, der mit Geschichte, Architektur und einem unvergleichlichen Ausblick belohnt wird.
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