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Häusliche Gewalt in Mittelhessen im letzten Jahr kräftig gestiegen


Häusliche Gewalt in Mittelhessen im letzten Jahr kräftig gestiegen

Anfang März 2021 stellte der Hessische Innenminister Peter Beuth in einer vielbeachteten Pressekonferenz in Wiesbaden die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik des Landes für das abgelaufene Jahr 2020 vor (PKS 2020).

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich der Trend der Vorjahre fortsetzt. Die Kriminalität ist in Hessen insgesamt in den letzten fünf Jahren nach der Anzahl der erfassten Fälle um 18 % zurückgegangen. Vor allem die Straßenkriminalität wie Handtaschendiebstähle, aber auch die Zahl der Wohnungseinbrüche sind stark zurückgegangen.

Die Gewalt gegen Polizeibeamte blieb trotz Corona-Lockdown dagegen gleich hoch. Gleichbleibend. Auffallend ist, dass es in einigen Regionen wie Mittelhessen zu einer erhöhten Zahl an Fällen häuslicher Gewalt kam. Die rechtsextremistischen Strukturen in Hessen konnten außerdem weiter aufgehellt werden. Beachtenswert ist, dass die Aufklärungsrate nicht zuletzt dank des technischen Fortschrittes und einer erhöhten Personalzahl einen so niemals da gewesenen hohen Stand erreicht hat.

Lockdown zu Hause läuft nicht immer harmonisch ab

Währenddessen die Gewaltkriminalität in Hessen insgesamt in 2020 weiter abgenommen hat, beunruhigen die mehr gewordenen Fälle häuslicher Gewalt. Home-Office, Kurzarbeit und Lockdown sorgen dafür, dass die ganze Familie an den Wochentagen und den Wochenenden zusammen zu Hause verbringen muss. Das bringt in einigen Familien oder Lebensgemeinschaften erhebliche Probleme mit sich. Anstatt sich gemütlich am Abend aufs Sofa zu setzen und fern zu sehen oder ein paar Runden im Online Casino mit dem Zahlungssystem Pay & Play zu spielen, wird es vielfach wortgewaltig und es rutscht dem einen oder anderen auch schon mal die Hand aus.

Aber auch schon vor Corona gab es einen Anstieg bei häuslicher Gewalt. So verzeichnet die Kriminalstatistik für Mittelhessen in 2020 475 Fälle, wobei es auch eine nicht unerhebliche Zahl an Fällen gibt, die nicht zur Anzeige kommen, weil sich viele schämen damit zur Polizei zu gehen und Angst haben, die Nachbarn könnten etwas erfahren. In 2019 waren es noch 392 Fälle und im Jahr 2016 insgesamt 281 Fälle. Auffällig ist auch, dass die häusliche Gewalt in den Städten deutlich höher ist, als in ländlichen Gegenden.

Den Grund für die hohe Fallzahl sehen die Experten in der häuslichen Dauer-Isolation und die Sorgen um die Gesundheit und um den Beruf, die für eine stressgeladene Atmosphäre sorgen. Weitere Belastungsfaktoren sind darüber hinaus die fehlende Kinderbetreuung und das Ausbleiben von sozialer Unterstützung. Viele fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen und befinden sich in einer psychischen Ausnahmesituation.

Die Ursachen häuslicher Gewalt

Unter häuslicher Gewalt werden übrigens alle Formen physischer, sexueller oder auch psychischer Gewalt zwischen Personen, die zusammenleben, verstanden. Häufig sind ungelöste Konflikte der Auslöser. Dazu gehören unter anderem Besitzansprüche des Mannes, Eifersucht, Anspruch auf Dominanz, Macht und Kontrolle verbunden mit "Bestrafung" der Frau oder auch des Mannes, Erwartungen beziehungsweise Uneinigkeit bezüglich der Hausarbeit und finanzieller Ressourcen, die Erziehung und Betreuung der Kinder oder auch sexuelle Ansprüche. Die ungelösten Konflikte schaukeln sich im Lockdown besonders hoch.

Einfach mal raus gehen, um sich bei einem Kneipenbesuch den Frust von der Seele zu reden oder auch einfach nur ins Fitnesscenter zu gehen oder auf einer Kartbahn fahren und dort Stress abzubauen fallen auch weg. Irgendwann kommt es dann dazu, dass das berühmte Fass überläuft, weil viele Täter in ihrer Entwicklung nicht gelernt wie man mit extremen Stressmomenten besser umgeht oder es plötzlich zu einer psychischen Affektsituation kommt. Die kognitive Prädisposition und narzisstische Persönlichkeitsstörungen spielen dabei auch eine entscheidende Rolle.

Oft beginnt die häusliche Gewalt schleichend. Wichtig ist es daher, schon frühzeitig die Warnsignale zu erkennen. Zum Anfang ist der Partner oder die Partnerin vielleicht immer öfter launisch und manchmal auch aggressiv in der Wortwahl. Später kommt das regelrechte "Ausrasten" dazu. Es folgen dann oft Beleidigungen, Demütigungen und unmotivierte Stimmungsschwankungen. Insgesamt nehmen die seelischen Grausamkeiten in der Ehe oder Partnerschaft mit der Zeit zu.

Manchmal reagiert der Partner oder die Partnerin immer öfter eifersüchtig und beginnen damit, finanzielle Ausgaben, soziale Kontakte oder das Handy des anderen zu kontrollieren.

Immer wieder kommt es dann auch zu zwischenzeitlichen Entschuldigungen für ein nur vermeintlich Einmaliges Fehlverhalten, etwa bei demütigenden Bemerkungen oder bei Aggressivität. Nicht wenige von der Gewalt Betroffene reden sich zum Beispiel auch ein "Ok er war betrunken und hat mich deshalb beleidigt. Normalerweise ist er ja nicht so und eigentlich auch nett zu mir". Vielfach lässt sich jedoch beobachten, dass es nicht bei einem einmaligen Vorfall bleibt, sondern die verbalen und körperlichen Attacken wiederholen sich.

Die Formen körperlicher Übergriffe und auch psychischer Gewalt zeigt sich in vielen Formen. Schubsen oder grobes Schütteln gehören genauso dazu, wie Schläge oder Verletzungen mit Gegenständen oder einem Messer. Sexuelle Gewalt durch den Partner oder die Partnerin kann sich auch durch ständiges ungewolltes Anfassen ausdrücken oder bis zu sexueller Nötigung und Vergewaltigung gehen.

Frauen nach wie vor am häufigsten betroffen

Der größte Teil der Betroffenen sind Frauen. Es gibt aber auch zahlreiche Männer, die unter häuslicher Gewalt leiden. Um der häuslichen Gewalt in Mittelhessen zu begegnen will die Polizei mit einem noch weiter ausgebauten Beratungs- und Hilfsangebot dazu beitragen, dass die Dunkelziffer verringert wird und sich Opfer schnell helfen lassen können.

Der Polizei stehen auch weitere Möglichkeiten zur Verfügung. So kann ein Täter in einem solchen Fall für bis zu 14 Tagen aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen und ein Kontaktverbot ausgesprochen werden. Handelt es sich nicht um eine schwere Straftat, wie eine deutlich sichtbare Körperverletzung oder Schlimmeres kommt es indes kommt es indes nur in den seltensten Fällen zu einer Verurteilung. Vielfach wird die Anzeige seitens der Betroffenen kurz vor einem Verhandlungstermin zurückgezogen oder es wird vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Die geschieht nicht zuletzt auch oft aus Angst vor weiteren körperlichen Übergriffen.

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